146022 SE/2 Patriarchat und Kapitalismus. Die gesellschaftliche Basis intersektionaler Herrschaftsverhältnisse.

Wintersemester 2015/2016 | Stand: 24.08.2015 LV auf Merkliste setzen
146022
Patriarchat und Kapitalismus. Die gesellschaftliche Basis intersektionaler Herrschaftsverhältnisse.
SE 2
5
Block
keine Angabe
Deutsch

Verständnis des Zusammenhangs patriarchaler und kapitalistischer Verhältnisse; Fundierung der Analyse intersektionialer Herrschaftsartikulationen.

In rezenten kritischen Debatten wird ein besonderer Fokus auf das Problem intersektionaler Herrschaftsartikulationen gesetzt. Es geht dabei meist darum, den Zusammenhang von verschiedenen Macht- und Herrschaftsachsen in ihrer konkreten Aktualisierung zu bestimmen. Dabei werden etwa konkrete Akteur/innen analysiert und festgestellt, wie und ob sie von verschiedenen Unterdrückungsformen betroffen sind. Bisweilen werden auch Strukturen benannt, die für diese Unterdrückung verantwortlich sind. Weniger verbreitet ist allerdings Begründung und mechanismische Erklärung jener Strukturen selbst, mithin fehlt eine stratifiziertes Emergenzverständnis, dass jene Strukturen und aktuale/individuelle Unterdrückungserfahrungen miteinander kausal verknüpft.

Diese Verknüpfung kann nur dann erfolgen, wenn die kontingenten Erscheinung bzw. die unverbunden bleibenden Strukturen im Kontext einer gesellschaftstheoretischen Rahmung erklärt werden und auf diese Weise in ihrer bestimmten Relation erörtert werden. Diese gesellschaftstheoretische Rahmung fehlt in neueren Analysen oftmals. Sie muss allerdings nicht gänzlich neu erfunden werden, in vieler Hinsicht kann an bestehende ältere Theorievorschläge angesetzt werden, die sich v.a. mit dem Verhältnis von Patriarchat und Kapitalismus als gesamtgesellschaftliche Mechanismen beschäftigt haben. Auch wenn damit auf den ersten Blick nicht alle aktualen Unterdrückungserfahrungen abgedeckt sind, kann eine derartige Rahmung über verschiedene Vermittlungsebenen doch dazu beitragen, auch solche Artikulationen zu fundieren, die nicht in den klassischen Subjektentitäten „Geschlecht“ und „Klasse“ aufgehen. In der Tat kann nachgewiesen werden, wie derartige und andere Subjektivitäten der Ausdruck einer spezifischen Herrschaftsformation sind, die zwischen subjektloser und partikularisierender Herrschaft oszilliert.

Im Seminar wird es darum gehen, diesen theoretischen Zusammenhangnachzuvollziehen. Dabei wird ein dreigliedriger Aufbau zugrunde gelegt. In einemersten Block werden kapitalismuskritische Überlegungen besprochen undhinsichtlich ihrer (fehlenden) Offenheit für eine gesellschaftstheoretischePatriarchatsanalyse befragt. In einem zweiten Block werden jene vornehmlichfeministisch orientierten Ansätze besprochen, die – von derkapitalismustheoretischen Beschäftigung herkommend – diegesellschaftstheoretische Patriarchatsanalyse kategorial weiterentwickelten.Schließlich werden in einem dritten Block die Anknüpfungspunkte für eineintersektionale Analyse thematisiert, wobei v.a. Texte privilegiert werden, die sichmit der Kompatibilität von subjekttheoretischen bzw. intermediären und abstraktgesellschaftlichenTopoi beschäftigen.

Frontalvortrag, Offene Diskussion, Kleingruppe, alternative Formate, Abschlussessay.

Regelmäßige und v.a. aktive Teilnahme, Lektüre und kurze schriftliche Zusammenfassung der zu lesenden Textteile, Vorbereitung von Einheiten in Kleingruppen, Abschlussessay.

Beer, U. 1983. Marx auf die Füße gestellt? Zum theoretischen Entwurf von Claudia v. Werlhof. PROKLA 50: 22-37.

---. 1989. Objektivität und Parteilichkeit - ein Widerspruch in feministischer Forschung. Zur Erkenntnisproblematik von Gesellschaftsstruktur In Klasse.

Geschlecht. Feministische Gesellschaftsanalyse und Wissenschaftskritik, 162-213. Bielefeld: AJZ.
---. 1990.
Geschlecht, Struktur, Geschichte. Soziale Konstituierung des Geschlechterverhältnisses Frankfurt am Main: Campus---. 2008. Sekundärpatriarchalismus. Patriarchat in der Industriegesellschaft. In Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung, eds Becker, R. and Kortendiek,B., 59-64. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Eisenstein, Z. 1979. 
Capitalist patriarchy and the case for socialist feminism NewYork: Monthly Review Press.

Gunnarsson, L. 2015. Why we keep separating the 'inseparable': Dialecticizing intersectionality. European Journal of Women's Studies Online first: 1-14.

Hartmann, H. 1981. The Unhappy Marriage of Marxism and Feminism. Towards a more progressive Union In Women and Revolution, ed. Sargent, L. Boston:South End.

Heinrich, M. 2003. Die Wissenschaft vom Wert. Münster: Westfälisches Dampfboot

---. 2004. Kritik der Politischen Ökonomie. Eine Einführung. Stuttgart: Schmetterling.

Klinger, C. 2003. Ungleichheiten in den Verhältnissen von Klasse, Rasse und Geschlecht. In Achsen der Differenz. Gesellschaftstheorie und feministische Kritik ed. Knapp, G.-a.W., Angelika. Hamburg: Dampfboot.

---. 2006. Das unmögliche weibliche Subjekt und die Möglichkeiten feministischer Subjektkritik. In Subjektdiskurse im gesellschaftlichen Wandel: zur Theorie des Subjekts in der Spätmoderne, eds Kneupp, H. and Hohl, J., 99-119. Bielefeld: transcript.

Knapp, G.-A. 1996. Traditionen - Brüche. Kritische Theorie in der feministischen Rezeption. In Vermittelte Weiblichkeit. Feministische Wissenschafts- und Gesellschaftstheorie, ed. Scheich, E., 113-51. Hamburg: Hamburger Edition. Institut für Sozialforschung.

---. 1998. Postmoderne Theorie oder Theorie der Postmodern? Anmerkungen aus feministischer Sicht. In Kurskorrekturen. Feminismus zwischen Kritischer Theorie und Postmoderne, ed. Knapp, G.-A., 25-84. Frankfurt a.M./New York: Campus.

(Auswahl vorläufig, nicht vollständig)

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Sa 12.12.2015 10.00 - 13.00 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Sa 12.12.2015 14.00 - 17.00 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Sa 23.01.2016 10.00 - 13.00 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte
Sa 23.01.2016 14.00 - 18.00 52U109 SR 52U109 SR Barrierefrei Induktionsschleifen für Gehöreingeschränkte